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Lymphomerkrankungen

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Maligne Lymphome

Maligne Lymphome, bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems, stellen an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Virchow-Campus der Charité (CVK) einen wichtigen Schwerpunkt der Diagnostik, Behandlung und Forschung dar. Zum Spektrum bei uns betreuter Lymphom-Erkrankungen zählen allem voran aggressive B-Zell-Lymphome (wie das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom [DLBCL] und das Burkitt-Lymphom [BL]), das Follikuläre Lymphom (FL) sowie das Hodgkin-Lymphom (HL). Insgesamt betreuen wir am Standort CVK jährlich mehrere Hundert Lymphom-Patienten aus dem Berliner Stadtgebiet, dem Umland und über nationale und internationale Zuweisungen, und behandeln somit auch eigentlich seltenere Entitäten wie das Mantelzelllymphom (MCL), Marginalzonenlymphome (MZL) oder die Haarzell-Leukämie (HZL) als auch T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome (T-NHL) in relevanten Fallzahlen an unserem Zentrum. Auch die Versorgung von Patienten mit Posttransplantationslymphomen (PTLD) zählt zu den Aktivitäten unseres Lymphom-Schwerpunkts.

Steht die Verdachtsdiagnose „Lymphom“ im Raum, werden die Patienten zügig interdisziplinärer Diagnostik zugeführt, die neben Bildgebung (Computertomographie, ggf. auch PET-CT) und Laboruntersuchungen vor allem in der chirurgischen oder radiologisch-interventionellen Gewinnung einer Lymphom-Biopsie mit nachfolgender histologischen Aufarbeitung im diesbezüglich besonders ausgewiesenen Institut für Pathologie erfolgt. Zunehmend erfordert die „State-of-the-Art“-Untersuchung des Probenmaterials weitergehende molekulare Analysen zum Nachweis bzw. Ausschluss zytogenetischer und genetischer Veränderungen. In der Zusammenschau der Ausbreitungsdiagnostik (sog. „Staging“), der histopathologisch und ggf. molekulargenetisch gestellten Diagnose sowie einer eingehenden allgemein-internistischen Statuserhebung bezüglich potentiell therapie-relevanter Begleiterkrankungen wird eine leitliniengerechte Behandlungsstrategie im Rahmen unserer Campus-übergreifenden, interdisziplinären Fallkonferenzen unter dem Dach des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) unter Beteiligung von erfahrenen Hämato-Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen (ggf. auch Nuklearmedizinern) und Pathologen festgelegt. Stets wird dabei geprüft, ob den Patienten möglicherweise die Behandlung in einer Klinischen Studie angeboten werden kann oder ob fallspezifische Aspekte eine individualisierte Behandlungsstrategie erfordern.

Prinzipiell gilt dieses Vorgehen genauso für Patienten, die sich mit Verdacht auf einen Rückfall ihrer Erkrankung bei uns vorstellen. Therapiekonzepte bei Erkrankungsprogress bzw. -Rezidiv schließen häufig die Rückgabe zuvor vom Patienten gesammelter Blutstammzellen (Prof. Dr. med. Lutz Uharek) im Zuge einer Hochdosis-Chemotherapie (also einer Hochdosistherapie mit autologer Blutstammzell-Transplantation) ein, wie sie bei uns in hoher Zahl routiniert durchgeführt wird. In manchen Fällen erwägen wir – stets in enger Zusammenarbeit mit unserer Transplantationsabteilung am CVK – auch eine Allogene Blutstammzell-Transplantation , bei der die Stammzellen von einem hinsichtlich wichtiger Gewebemerkmale übereinstimmenden fremden Spender (häufig Geschwister, aber ggf. auch unverwandte Personen) gewonnen werden. Weitere, vielversprechende Entwicklungen der Zell-basierten Therapie von Lymphom-Erkrankungen, also des Einsatzes eigener, außerhalb des Körpers gezielt für den Lymphom-Angriff geschärfter Immunzellen (wie sog. „CAR T-Cells“) zeichnen sich aktuell ab.

Zunehmend wichtiger werden in der Lymphom-Behandlung neue Medikamente, die zumeist die gut etablierte Wirksamkeit klassischer Chemotherapeutika ergänzen. Zu diesen modernen Wirkstoffen zählen bspw. „zielgerichtete Therapeutika“ (sog. „Targeted Therapies“), die pathologisch deregulierte, zumeist besonders aktive Signalwege in der Tumorzelle molekül-genau blockieren sollen. Auch sog. „Biologicals“ – Substanzen, die andere Veränderungen der Tumorzellen (wie epigenetisch oder proteasomal veränderte Gen-Expression) angreifen – kommen bei uns in der Lymphom-Therapie mehr und mehr zum Einsatz. Bei manchen Lymphomen bzw. in bestimmten Therapiesituationen behandeln wir bereits völlig ohne konventionelle Zytostatika, also „chemo-free“ alleinig mit neuen Medikamenten.

Zentrale Bedeutung hat für die Behandlung von Lymphomen, ihres Zeichens „Tumore des Immunsystems“, der Einsatz der Immuntherapie. In vielen Therapie-Protokollen ist ein Antikörper, der sich – wie das an CD20 bindende Rituximab – gegen ein lymphatisches Antigen auf der Zelloberfläche richtet, bereits seit Jahren Standard. Neue Varianten solcher Antikörper mit verbessertem Wirkprofil, Antikörper gegen weitere, Lymphom-relevante Oberflächen-Antigene und Antikörper, deren Wirksamkeit durch Kopplung mit einem Toxin, das dann präferentiell in der bindenden Lymphomzelle seinen zytotoxischen Effekt entfaltet, geschärft wird, kommen nun breit in der klinischen Realität an. Zunehmendes Interesse gilt in der Lymphom-Behandlung den sog. „Checkpoint-Inhibitoren“, Antikörper-basierten „Immun-Onkologika“, die eine ineffektive, „stumm geschaltete“ Immunantwort des Patienten selbst gegen sein/ihr Lymphom wieder reaktivieren können. Derartige Therapiestrategien werden zurzeit bei zahlreichen Tumorerkrankungen geprüft und haben insbesondere bei Patienten mit stark vorbehandeltem Hodgkin-Lymphom zu beeindruckenden Ergebnissen und Zulassung von Immun-Checkpunkt-Inhibitoren geführt.

Die gegenseitigen Beeinflussungen von Lymphomen und Immunabwehr schon vor Therapieeinleitung, aber im Besonderen unter Therapie und auch nach Therapieende sind ein sehr wichtiges Thema, das von Lymphom-assoziierten Autoimmunphänomenen, Lymphom- als auch Therapie-assoziierter Immunschwäche über Therapie-induzierte Modulation der Immunerkennbarkeit der Tumorzellen bis hin zu Langzeitveränderungen der Abwehrlage nach Ausheilung der Lymphom-Erkrankung reicht. Hierzu bieten wir Diagnose-, Therapie- und Nachsorge-begleitend eine eigene Sprechstunde zur Thematik „Immundefekte/Immunmodulation in der Hämato-Onkologie“ (Prof. Dr. med. Il-Kang Na) am CVK an.