Familienspende, Fremdspende, Eigenspende

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Informationen für Stammzellspender

Familienspende, Fremdspende, Eigenspende

Als Stammzellspender kann sowohl der Patient selber als auch ein Familienmitglied oder ein unverwandter freiwilliger Spender in Frage kommen. Die Methoden der Stammzellentnahme unterscheiden sich nicht, jedoch ist der Ablauf bis zur Stammzellentnahme und die Vorbeitung doch sehr unterschiedlich.

Familienspender

Ein Angehöriger von Ihnen ist an einer schweren Krankheit des blutbildenden Systems erkrankt....

Allogene Stammzelltransplantationen werden bei Patienten durchgeführt, bei denen eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems diagnostiziert wurde und andere Therapien keine Heilung erreichen können. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Formen der Leukämie und Lymphome bei Kindern und Erwachsenen. Um eine Stammzelltransplantation durchführen zu können, wird zuerst das Blut von Familienangehörigen des Patienten untersucht. Dies um festzustellen, ob ein gewebeverträglicher Spender direkt in der Familie vorhanden ist. Dazu müssen die weißen Blutkörperchen aus Blutproben der direkt verwandten Familienmitglieder, in allererster Linie der Geschwister (ggf. der Eltern, Cousins und Cousinen) auf ihre Gewebsmerkmale (HLA-Typ) untersucht werden. Wenn sich bei den Laboruntersuchungen gezeigt hat, dass eine Gewebeübereinstimmung zwischen Empfänger und Spender vorliegt, kommt der/die Angehörige als Stammzellspender in Frage.

Findet sich bei der Familientypisierung kein passender Spender, kann die Suche nach einem nichtverwandten Spender - einem sogenannten Fremdspender - eingeleitet werden.

Unverwandte Spender

Ihre Spenderdatei, bei der Sie sich registriert haben, hat mit Ihnen Kontakt aufgenommen, weil Sie als Spender für eine lebensrettende Blutstammzellspende in Frage kommen.

Die Spenderdatei hat sich mit uns in Verbindung gesetzt und für Sie einen Termin für eine Voruntersuchung in unserem Entnahmezentrum vereinbart. Dieser Termin liegt ungefähr vier Wochen vor der eigentlichen Spende und besteht aus einer umfangreichen medizinischen Untersuchung des möglichen Spenders. Das Ziel der Voruntersuchung ist die Feststellung Ihrer Spendetauglichkeit. Oberstes Gebot ist für uns hierbei Ihr Leben zu schützen und gleichzeitig auch die Reduzierung des Risikos für den Patienten bei der Transplantation Ihrer Stammzellen. Für alle Voruntersuchungen (Blutentnahme, EKG, Sonographie, Arztgespräch und Untersuchung) sollten Sie sich insgesamt etwa 6 Stunden Zeit einplanen.

Eigenspende

Sie sind selber erkrankt und bei Ihnen sollen Stammzellen für eine autologe Stammzelltransplantation entnommen werden.

In dieser Situation wird Ihr behandelnder Arzt bereits die wichtigsten Fragen zur Stammzelltherapie mit Ihnen besprochen haben. Im Gegensatz zur Familienspende oder Fremdspende geht bei der autologen Stammzellspende meist eine Chemotherapie voraus, da sich danach zum einen die Stammzellen besser "mobilisieren" lassen und zum anderen das Risiko, dass eine größere Zahl von Tumorzellen im Tarnsplantat enthalten ist, am geringsten ist.


Wichtige Begriffe - kurz erläutert.

Blutstammzellen

Blutstammzellen werden für die Behandlung von schweren Erkrankungen des blutbildenden Systems benötigt. Meist handelt es sich dabei um bösartige Erkrankungen, wie akute Leukämien, chronische Leukämien oder Lymphome.

Auch bei speziellen Autoimmunerkrankungen (schwere aplastische Anämie) und bei bestimmten schweren angeborenen Störungen der Blutbildung (z. B. Thalassämia major) kommt die Stammzelltransplantation zum Einsatz.

Die Transplantation von Blutstammzellen von gesunden Spendern ist für den Empfänger eine sehr nebenwirkungsreiche Behandlung, die für ihn nicht ohne Risiken ist. Für viele Patienten bietet die Stammzelltransplantation aber die einzige Chance auf dauerhafte Heilung.

Blutstammzellen sind undifferenzierte oder wenig differenzierte Vorläuferzellen der einzelnen Blutbestandteile. Aus diesen Mutterzellen entwickeln sich die verschiedenen Blutzellen, also rote (Erythrozyten) und weiße (Leukozyten) Blutkörperchen, sowie Blutplättchen (Thrombozyten).

Normalerweise befinden sich diese Stammzellen im Knochenmark, insbesondere im Beckenkamm, im Brustbein, in der Wirbelsäule und in den Rippen. Dort reifen sie heran. Die reifen Zellen verlassen dann das Knochenmark und treten in die Blutbahn über, wo sie ihre Aufgaben erfüllen. Die Blutzellen haben eine begrenzte Lebensdauer, sie gehen schon nach wenigen Tagen (Blutplättchen) oder einigen Monaten (rote Blutkörperchen) zugrunde. Aus diesem Grund werden diese Blutzellen ständig neu in der jeweils erforderlichen Menge nachgebildet.

Dieser Vorgang der Erneuerung kann jedoch gestört sein: es entstehen überwiegend unreife Blutzellen, die weitgehend funktionsuntüchtig sind. Man spricht dann von Leukämie (Blutkrebs). Diese bösartige Erkrankung bewirkt die fehlerhafte Bildung der Blutzellen in den Hohlräumen der Knochen. Bei einer Stammzelltransplantation erhält der an Leukämie Erkrankte neue und funktionsfähige Stammzellen von einem gesunden Spender. So können sich sämtliche Blutzellen und das Immunsystem aus diesen Vorläuferzellen neu bilden. Die für diese Transplantation benötigten Stammzellen müssen dafür von einem geeigneten Spender gewonnen werden.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Da Stammzellen im Knochenmark ansässig sind, kann eine Entnahme und Transplantation des Knochenmarks vorgenommen werden. Die zweite Möglichkeit ist die periphere Blutstammzellentnahme. Bei dieser Methode wird durch die Gabe eines Medikamentes (G-CSF) dafür gesorgt, dass die Stammzellen in großer Zahl neu gebildet werden und in die Blutbahn wandern. Aus dem Blut können die Stammzellen dann mit einem sogenannten Zellseparator herausgefiltert werden.

Knochenmark

Das Knochenmark ist unser wichtigstes blutbildendes Organ. Es befindet sich in den Hohlräumen aller Knochen unseres Körpers. Beim Erwachsenen findet man das Knochenmark vor allem in kurzen, platten Knochen (Wirbelsäule, Becken, Rippen, Brustbein, Schulterblatt, Schädelknochen).

Das Knochenmark ist KEIN Rückenmark! Das Rückenmark gehört zum zentralen Nervensystem.

Verfahren zur Stammzellgewinnung

Die blutbildenden Stammzellen finden sich normalerweise nur in den Hohlräumen der Knochen und in sehr geringer Zahl auch im Blutkreislauf. Es gibt zwei Wege diese Zellen zu gewinnen:

  1. aus dem peripheren Blut
  2. aus dem Knochenmark

Beide Entnahmemethoden haben Vor- und Nachteile für Patient und Spender. So führt die Transplantation von Stammzellen aus dem peripheren Blut zu einer etwas schnelleren Regeneration der Blutbildung und des Immunsystems des Patienten, hat jedoch eine geringfügig höhere Rate an Transplantat- gegen Empfänger-Reaktionen als Komplikation zur Folge.

Die Transplantationsklinik, die den Patienten betreut, teilt bei der Anforderung der Blutstammzellen mit, welches Verfahren der Stammzellspende im Sinne des Patienten gewünscht wird. Im Regelfall werden Stammzellen aus dem Blut gespendet. Manchmal wird jedoch durch die behandelnden Ärzte des Patienten entschieden, dass Knochenmark geeigneter erscheint (häufig dann, wenn es sich um ein erkranktes Kind handelt). Letztlich muss die Entscheidung, welches Verfahren der Stammzellgewinnung gewählt werden soll, in Absprache mit dem Spender getroffen werden. Im Rahmen der ca. 3-4 Wochen vor der Entnahme stattfindenden Voruntersuchung in unserem Entnahmezentrum haben Sie ausreichend Gelegenheit Fragen zu stellen.

Zudem klären wir im Rahmen der Voruntersuchung, ob gegebenenfalls etwas gegen die eine oder andere Entnahmeart spricht. Oberstes Gebot ist es, Sie zu schützen und Ihre gesundheitlichen Risiken zu minimieren.

Periphere Stammzellentnahme

Die periphere Stammzellentnahme ähnelt in ihrer Durchführung einer Blutspende. Sie wird seit 1988 angewandt und ist heutzutage die am häufigsten angewandte Methode zur Blutstammzellspende.

Bei dieser Methode werden die zur Transplantation benötigten Stammzellen aus dem Venenblut des Spenders gewonnen. Dafür muss zunächst die Zahl der Stammzellen im Blut erhöht werden. Hierzu spritzt sich der Spender über fünf Tage jeweils morgens und abends ein Medikament unter die Haut, das die Blut- und Stammzellbildung anregt (vergleichbar einer Anti-Thrombose- oder Insulinspritze).

Der darin enthaltene Wirkstoff G-CSF ist ein vollsynthetisch hergestellter Wachstumsfaktor für die Blutbildung und führt dazu, dass vermehrt Stammzellen vom Knochenmark in das Blut wandern. Nach Abschluss dieser Vorbehandlung mit dem Wachstumsfaktor können die Stammzellen über ein spezielles Verfahren, der sogenannten Stammzellapherese, aus dem Blut des Spenders gesammelt werden. Dazu werden an beiden Armen venöse Zugänge gelegt.

Das Blut wird dann in einem ständigen Kreislauf aus einer Armvene durch einen Zellseperator geleitet und über die andere Armvene wieder zurückgeführt. Im Zellseparator werden die Stammzellen vom Blut des Spenders angesammelt. Diese Methode erfolgt ambulant, wird ohne Narkose durchgeführt und dauert in der Regel ca. 3 - 4 Stunden. In 20% der Fälle muss die Apherese am nächsten Tag wiederholt werden, um genügend Stammzellen zu sammeln.

Knochenmarkentnahme

Bei dieser Entnahmeart wird die notwendige Anzahl an Stammzellen durch Punktionen des hinteren Beckenkammes gewonnen, in dessen Umgebung keine wichtigen Gefäße oder Nerven verlaufen. Um die Blutstammzellen schmerzlos entnehmen zu können, erhält der Spender eine Vollnarkose.

Bei der Entnahme unter Narkose erfolgt kein größerer Hautschnitt wie beispielsweise bei einer Operation. Die Entnahme selbst dauert etwa eine Stunde. Die wenigen kleinen Einstichpunkte sind nach kurzer Zeit verheilt. Am nächsten Tag kann der Spender wieder aus der Klinik entlassen werden.